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Rundschreiben 104

 

Der Bau der der Chelewani abc-Primary, unserer 10. abc-Schule, beginnt [mehr...]

 

Rundschreiben 103

 

Komplettierung des Tsogolo La Ana Schul-Zentrums mit der neuen Secondary in Mpemba [mehr...]

 

Rundschreiben 102

 

Kurzbericht 15. Malawi-Reise [mehr...]

 

Rundschreiben 101

 

Einweihung der 8. abc-Schule in Malawi [mehr...]

 

Rundschreiben 100

 

Primary, Preschool, Dalani Secondary, Chambala Primary und Chambala Secondary, der Erziehungsminister, Jean Ziegler und Fundstücke [mehr...]

 

Rundschreiben 99

 

Preschool, Dalani-Secondary, Ingenieure ohne Grenzen und 3. Bücherbörse [mehr...]

 

 

 

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Schlagzeilen

 

 

32 Jahre abc-Gesellschaft

Interview mit Gründer und Präsident Franz-Josef Kuhn anlässlich
des 32-jährigen Bestehens der abc-Gesellschaft e.V.

Die Fragen stellte die Journalistin Constanze Rudolph

 

C.R: Herr Kuhn, Sie sind Verleger von Beruf, managen zwei Lehrmittel-Verlage und arbeiten nebenher seit 35 Jahren in der so genannten 3. Welt. Oder ist es umgekehrt?

FJK: Nein, nein - mein Beruf ist mein Standbein und Broterwerb.

C.R: Wie kam es zu der Arbeit in der 3.Welt?

FJK: In meinem Beruf habe ich einigen Erfolg gehabt und vieles gelernt über das Lernen und Lehren, das Bilden und Erziehen. Ich hatte Methoden und Materialien entwickelt für die Erwachsenen-Alphabetisierung und Lehrerfortbildung. Diese wollte ich weitergeben. So entstanden die Lehrer-Wander-Akademien in Südamerika. Insgesamt wurden 32 000 Lehrer in einwöchigen Seminaren in Sachen Schulreform trainiert und mehrere Kampagnen für Alphabetisierung der Hochlandindianer durchgeführt.
C.R: Dafür haben Sie die "abc-Gesellschaft zur Förderung des Lesen- und Schreibenlernens in der 3.Welt" als gemeinnützigen Verein gegründet?
FJK: Ja, 1984 - und Schulen gebaut. In Ecuador haben wir einen Kindergarten, eine Primarschule und ein Gymnasium gebaut. Später die erste Indianer-Universität von Südamerika mit drei Fakultäten. Nach dem Tsunami haben wir in Sri Lanka im Tamilengebiet ein großes Schulzentrum und ein Lehrerfortbildungshaus errichtet – vorher in Kathmandu eine Schule für Kinder leprakranker Eltern.
C.R: Anschließend gingen sie nach Afrika.
FJK: Ja, im Jahr 2008 wurde die erste abc-Primarschule in Malawi in Südost- Afrika eingeweiht. Die 2. haben wir gerade mit Hilfe vieler Spender, Schüler, Eltern und vieler NRZ- Leser gebaut.
C.R: Ist das nicht eher ein Tropfen auf den heißen Stein?
FJK: Ja, aber viele Tropfen sind ein Meer!
C.R: Warum machen Sie das eigentlich?
FJK: 250 Millionen Kinder müssen arbeiten, für den (Über-)Lebensunterhalt der Familie, statt zur Schule zu gehen. Fast eine Milliarde Menschen können nicht lesen und schreiben. Wenn man die Slums kennt, die gnadenlosen Arbeitsbedingungen z.B. von Näherinnen und Kinder, die in Bergwerken schuften müssen, sieht, kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir leben zum Teil auf Kosten anderer – sogar von Kindern. Deshalb sollten wir etwas zurückgeben.
C.R: Sie glauben mit Bildung kann man in den Entwicklungsländern viel erreichen?
FJK: Bildung ist ein Menschenrecht. Bildung ist hier wie dort der Weg zur Integration und zum sozialen Aufstieg. Man weiß, dass Bauern mit Schulbildung bis zu 20% mehr erwirtschaften! Durch Bildung lässt sich der Teufelskreis von Unwissenheit, Armut, Hunger, Krankheit - Aids - und Kindersterblichkeit durchbrechen.
C.R: Wie stehen Sie zu dem Wort - Gutmensch?
FJK: Der ironische Begriff diffamiert ein wenig alle, die sich um Toleranz, Mitverantwortung und Solidarität kümmern. Journalisten sind ja nicht ganz unschuldig daran. Wir sollten froh sein, dass so viele Bürger sich engagieren und über den Tellerrand hinausschauen. Sie haben das Bild von Deutschland nach innen und außen positiv verändert.
C.R: Zurück zu Ihrem Anliegen. Wie finanzieren Sie Ihre Projekte?
FJK: Durch Spenden von Mitgliedern, Freunden und Förderern, durch Aktionen, Vorträge und durch den Verkauf von Firmenanteilen. Manchmal hat das Land NRW Zuschüsse geleistet. Schulen machten Sponsorenläufe, Theateraufführungen, Flohmärkte, Musikveranstaltungen und sammelten auf Schulfesten. Dabei ist ganz wichtig: jeder Euro geht ohne Abzug von Werbe-, Reise- oder Verwaltungskosten 1 zu 1 in die Projekte! Jedes Projekt wird direkt und unmittelbar durchgeführt und kontrolliert. Und alle waren erfolgreich.
C.R: Kommen wir auf Malawi zurück. Die abc-Gesellschaft hat in Chikhosi im Norden der Hauptstadt eine achtklassige Grund-Schule und die dazu notwendigen acht Lehrerhäuser gebaut und einen Brunnen. Dasselbe auch in Süden der Hauptstadt in Mkumphira. Warum haben Sie Malawi ausgewählt?
FJK: Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Land hat keine wohlfeilen Produkte, außer Tabak, für den Weltmarkt. Also interessierte sich kaum jemand dafür. Die Bevölkerung ist sehr friedfertig. So hat das kleine Land mit 12-13 Millionen Einwohnern 1,3 Millionen Bürgerkriegs-Flüchtlinge aus Mosambik klaglos ohne soziale Verwerfungen aufgenommen.
C.R: Wie sieht die Schulsituation dort aus?
FJK: Es gibt 6,5 Millionen schulpflichtige Kinder. Davon haben 3 Millionen keine Schule. Die meisten sitzen in der prallen Sonne auf der Erde, haben keine Tafel, keine Bücher und Hefte und hilflose Lehrer. Die Abbrecherquote ist riesig. Die Sekundarschule muss auch noch von den Eltern bezahlt werden. Wovon? In manchen Gegenden haben die Menschen weniger als 1 Dollar am Tag. Außerdem gibt es viel zu wenig Lehrer. Mir sagte der Erziehungsminister, wir brauchten 6 500 Lehrer, es kommen aber nur 2 500 und 2 000 Lehrer sterben jährlich an Aids!
C.R: Wie kamen Sie auf Chikhosi?
FJK: Ich fragte einen Taxifahrer, ob der Norden oder der Süden des Landes ärmer wäre. Er meinte der Norden. Also fuhren wir nach Norden. Nach zirka 130 Kilometern sah ich an einem Hang ein Dorf mit Maisstroh gedeckten Lehmhäusern. Als die kleinen Kinder mich sahen, liefen sie schreiend in ihre Hütten. Da war mir klar, dass wir hier richtig sind. Hilfe haben die Menschen hier noch nicht kennen lernen dürfen. Schnell kamen aus den umliegenden Ortschaften fast alle Einwohner und deren Chiefs. Als ich fragte, ob sie eine Schule hätten, zeigten sie mir einen Rohbau für zwei Klassenräume. Ich war sehr beeindruckt davon, dass sie selbst ohne Geld versucht hatten, ihren Kindern eine eigene Schule zu bauen. Das war ihr großes Anliegen. „Wir wollen, dass unsere Kinder zur Schule gehen und es später besser ' haben als wir." Der Rohbau würde aber die nächste Regenzeit nicht überdauern, denn aus Mangel an Zement haben die Einwohner die selbst gebrannten Ziegel mit Lehm zusammengemauert. Spontan versprach ich Ihnen, in Deutschland Hilfe zu suchen und Spender zu gewinnen.
C.R: Dort mussten auch Lehrerwohnhäuser gebaut werden.
FJK: Sonst kommen keine Lehrer in abgelegene Regionen! Wir hatten die Zusage der Schulbehörde, dass wir acht Lehrer dorthin bekommen – vorausgesetzt die Schule steht und Lehrerhäuser sind gebaut! Vier kleine Räume für jede Lehrerfamilie haben wir geschaffen.
C.R: Wie hoch waren die Kosten?
FJK: Wir brauchten 106 000 Euro. Dafür konnten wir zwei U-förmige achtklassige Primarschulen mit kleinem Schulleiter- und Lehrerzimmer, Schulbänke für je 300 Kinder, die Schulbücher, Hefte, Schreiber und zwei Toilettenhäuschen bauen und beschaffen. Dazu die Lehrerhäuser und die beiden Brunnen. Überwiesen haben wir Beträge, wie immer, ratenweise nach Baufortschritt.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich allen herzlich danken, die mitgeholfen und gespendet haben. Ohne sie wäre die Projekte nicht Wirklichkeit geworden. Bei der Einweihungsfeier tanzten und sangen ein paar Hundert Kinder, Frauen und Männer und der Group-Chief – der Vorsteher mehrerer Dörfer – rief: „We are happy!“
C.R: Herr Kuhn, Ihre Arbeit scheint nicht im Verborgenen geblieben zu sein. Sie haben eine Reihe von Ehrungen, das Bundesverdienstkreuz, ausländische Orden, Staats-Preise und eine Ehrenbürgerschaft erhalten. Die Konföderation der Indigenen Völker von Ecuador hat Sie zum Botschafter für Europa ernannt. Wie stehen Sie dazu?
FJK: So etwas ist schön, aber nicht wirklich wichtig! Die wirklich zu Ehrenden sind die, die in der so genannten 3. Welt unter schwierigsten Umständen ihre Familien mit Anstand und Würde durchbringen und unter größten Opfern ihre Kinder versorgen und schulisch voranbringen. Vergleichbar ist das bei uns mit Menschen, die z.B. ihr schwer behindertes Kind über die Hürden bringen, oder mit Familien, die ihre bettlägerigen Eltern bis zum Ende liebevoll pflegen, allen Beschwernissen und Widrigkeiten zum Trotz, oder mit Menschen, die in Hospize gehen oder im Altersheim helfen.
C.R: Was haben Sie jetzt geplant?
FJK: Eine Sekundarschule! Als Anschluss an die an die achtjährige Primarschule soll zur besseren beruflichen Qualifizierung eine vierjährige Sekundarschule entstehen. Sie ist dringend nötig, da es davon sehr wenige im Land gibt. Die Entfernung bis zur nächsten Sekundarschule beträgt oft bis zu 20/30 Kilometer. Schüler arbeiten also stattdessen weiter auf den Feldern. Das ist sehr schade, da so allein die Möglichkeit genommen wird, weitere Lehrer auszubilden. Dafür ist die Sekundarschule nämlich Voraussetzung. Und viele Lehrer braucht das Land.

 

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