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Rundschreiben 81

 

Essen, den 28.06.08

Geschafft:  Zwei abc-Schulen in Malawi

 

  • Einweihung der Windu-Primary – abc-school of Dedza
  • Richtfest und Übergabefeier  der Chambala-Primary-abc-
    school of Kasungu

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

 

am 18.06.08 haben wir die Windu-Primary – abc-Schule in Mkumphira eingeweiht und am 19.06.08 das Richtfest und die Übergabe der Chambala- Primary in Chikhosi gefeiert.

 

Dieses Mal war eine kleine deutsche Delegation unterwegs. Unsere Kassiererin Eva-Marie Clasen und der Reporter der Neuen Rhein Zeitung - Neuen Ruhr Zeitung Matthias Maruhn und der Cheffotograf Friedhelm Zingler waren mit von der Partie.

 

Als wir im Süden in Mkumphira ankamen, rannten 600 Kinder winkend, lachend, lärmend auf uns zu. Ein überwältigender Empfang. Danach gab es viele schöne und gute Tanz-, Gesangs- und Rhythmus- aufführungen von Schülern, Frauen und Männern und die vielen unvermeidlichen und unendlichen Reden der Autoritäten. Eine große Laubhütte war gebaut worden für rund 50 Honorabilitäten. Der Vize- Erziehungsminister, die Distriktchefs für Education, die vielen Chiefs of the Villages, der Groupchief und der TA. Das ist der Traditional Authority. Er ist Chef von 80 Groupchiefs und diese wiederum von je 30 bis 50 Dorfvorstehern.


Dem TA wird große Achtung und Ehrerbietung entgegen gebracht. Er wird mit tiefen Verbeugungen begrüßt und angesprochen. Nach zwei Stunden waren die in Chichewa gehaltenen Reden immer noch nicht zu Ende. Wir bekamen ab und an einige Bruchstücke übersetzt. Halbstündlich bekam ich gesagt, „Be patient. It´s our culture“! „ Interessiert das die Kinder auch?“ „Indeed!“ Tatsächlich blieben alle brav vor uns auf der Erde sitzen und hörten andächtig zu. Nun, eine Zivilisation ohne Radio, Fernsehen und ohne sonstige Abwechslungen…


Der Vize-Minister hat wohl eine Regierungserklärung abgegeben, der TA beschrieb nach vielen Dankesworten die Sorgen und Nöte der Bevölkerung. Wasser muss weit vom Fluss hergeholt werden, in den Tiere hineinkleckern, und so gibt es viele Krankheitserreger im Trinkwasser, keine Krankenstationen, Fehlernährung und zu wenig Nahrungsmittel, keine festen Wege, keine Brücken, besonders in der Regenzeit wichtig. Ein Lehrer ist dabei ertrunken.

Aber zu ihrer großen Freude endlich eine Schule.

 

Danach folgte die Besichtigung der Schule und der Lehrerhäuser. Alles wurde sehr gelobt und dafür überschwänglich gedankt. Die Möbel, die Bücher, Stifte und Hefte sind auf alle 8 Schuljahre und Klassenräume verteilt. Bücher für alle Fächer und für jede Schulbank waren etwas Besonderes.
Dann – Schul-Schild anbringen, Band durchschneiden, Afrikakarte aufhängen, Luftballons und Fußbälle, mitgebrachte Getränke, Backwaren und Süßigkeiten verteilen. Nach einer kurzen Rede habe ich die Schule mit einer Schulglocke eingeläutet.

 

Verabschiedet wurden wir wieder mit Tänzen und Gesängen, begleitet von einer Combo mit selbst gemachten Instrumenten und vielen, vielen winkenden Menschen mit strahlenden Gesichtern.

 

Am anderen Morgen in Chikhosi war der Empfang genauso enthusiastisch. Die Tänze und Gesänge noch besser. Eine Theatergruppe hat mehrere Sketche zum Vergnügen der Einwohner aufgeführt und dabei auch uns Weiße aufs Korn genommen.

 

Neun Chiefs of the Villages, deren Dörfer zum Einzugsbereich der neuen Schule gehören, wurden vorgestellt. Davon zu meiner Überraschung eine Lady! Dazu die Notabeln wieder unter einer großen, extra gebauten Laubhütte. Dieses Mal kurz und schmerzlos, aber herzlich, nur 2 Reden des Groupchiefs und des Regionalchefs des Ministeriums. Auch hier wurde beklagt, dass Frauen und Kinder täglich weite Wege für krankmachendes Wasser gehen müssen.

 

Die Schule war noch nicht ganz fertig. Erst Ende Juli wird sie 'bezugsfertig' sein. Also ein Monat Verspätung.
Die 4 Lehrerhäuser mit je 2 Wohnungen mit 3 Räumen werden bis Ende September fertig gestellt.
Der Grund: Die selbst gemachten Backsteine waren zu spröde. Die Bewohner konnten nicht genug Hitze beim Brennvorgang erzeugen. Die professionellen Ziegelhersteller waren ausgebucht. Unsere Bestellungen mussten warten.


In der Zwischenzeit haben sie ein entfernt liegendes Tabaklagerhaus, das nicht mehr gebraucht wurde, bekommen und Stein für Stein abgebaut und damit den großen Teil der Schule aufgebaut. Der Bau der Lehrerhäuser folgt nach Fertigstellung des Schulgebäudes. Die Schule aber war bei unserem Besuch fast fertig mit 8 Klassenräumen,1 Lehrerzimmer, 1 Schulleiterbüro, 2 Toilettenhäuschen. Das Dach war drauf, es fehlten noch die Säulen für das Vordach, der Estrich für die Fußböden, der Putz an den Wänden und das Einsetzen der Türen.

 

Die Schulbücher, Schreiber und Hefte haben wir am anderen Tag in der Hauptstadt für alle 8 Schuljahre gekauft. Der Preis - 6.200 $. Sie werden aber erst geliefert, wenn die Schule beginnt.

In beiden Schulen haben wir schon die ersten Lehrer kennen gelernt. Sie sind jung, machen einen sehr sympathischen Eindruck und scheinen engagiert. Sie verdienen jedoch viel zu wenig, freuen sich aber auf die 3-Zimmer-Wohnungen.

 

Ursprünglich war an jeder Schule ein Brunnen geplant. Aus Kostengründen konnten sie aber nicht gebaut werden. Es gibt jetzt nur kleine Bassins, die aufgefüllt werden müssen.

Ich habe an beiden Schulen, versprochen, dass wir Brunnen bauen werden. Wir haben uns von unseren Bauleuten, der Msangasanga Corporation einen Plan und ein Angebot erstellen lassen. Je Brunnen 1 Million Kwacha = 7.000 $. Allein die Hand-Pumpe, aus Indien, kostet 3.500 $. Vielleicht wissen Sie, ob und wo wir eine preiswertere Alternative finden?

Das müssen wir einfach noch schaffen, damit die Kinder nicht, statt zur Schule, täglich Kilometer zum Wasserholen geschickt werden und durch sauberes Wasser von vielen vermeidbaren Krankheiten verschont bleiben.

 

Übrigens, alle Redner haben die Eltern immer wieder darauf hingewiesen, wie notwendig es sei, ihre Kinder immer in die Schule zu schicken, statt auf die Felder.

 

Der Groupchief in Chikhosi hat sich für die umliegenden Dörfer, unter dem großen Beifall der Bewohner, eine Sekundar-Schule gewünscht. Die Schüler hätten einen Weg von 40 Kilometern! zur nächsten Sekundar-Schule, die ja obendrein noch Geld koste. Also gehen sie nicht hin.

 

Beide Schulen, Lehrerhäuser, Schulmöbel und die Schulbücher sind bezahlt.

 

Viele Schüler, Eltern, Mitglieder und Freunde haben dazu beigetragen, dass es jetzt 2 Schulen für je 300 Kinder mehr gibt in Malawi. Wenn in Mkumphira auch schichtweise unterrichtet wird, haben dort sogar 600 Kinder Schule. Sponsored Walks, Schulfeste und Benefizveranstaltungen haben dabei sehr geholfen. (Alle beteiligten Schulen habe ich besucht und den Schülern einen Folienvortrag über Afrika gehalten.)


Herzlichen Dank für Ihre große Hilfe!

 

Herzlichen Dank sagen möchte ich auch dem Management und den Lesern der Neuen Rhein Zeitung – Neuen Ruhr Zeitung und da besonders dem Reporter Matthias Maruhn für seine umfangreichen Berichte und sein persönliches Engagement. Allein durch die NRZ ist für die Schule in Chikhosi mit 26.000 €, fast die Hälfte des notwendigen Geldes, zusammen gekommen.

 

Insgesamt haben wir für beide Schulen 162.000 $ aufgebracht.

 

Zum Abschied in Chikhosi kam singend und tanzend eine Frauengruppe auf mich zu und brachte mir mit einem anrührenden Dankesbrief einen großen Karton als Geschenk – es waren Süßkartoffeln. Das Beste, was sie geben konnten.

 

Zuletzt sangen die Kinder:

 

“We are the Tigers from the Chambala-School
We are proud and happy too!”

 

Herzliche Grüße, alles Gute für Sie!
Bitte bleiben Sie der abc-Gesellschaft treu -
„Viele Tropfen sind ein Meer!“

Signatur Kuhn

F.-J. Kuhn

 

[Anlage zum Rundschreiben 81:] Rumor in Malawi [...]


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